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Die Löfler in (Hinter-) Weißenbach
Text: Hofrat Dr. Ernst Janko
Johann Paul Löfler sen. (1756-1818), Sohn eines Friedberger Leinenwebers, strebte schon in jungen Jahren aus dem Rahmen des Vaterhauses hinaus und dürfte auch eine bessere Schulbildung genossen haben, denn er wandte sich dem Lehrberufe zu und war vor seiner Hochzeit Schulgehilfe in Kirchschlag im Böhmerwald.
1780 heiratete er Maria Anna Rechberger (1752-1787), Enkelin des früheren Amtsverwalters der Herrschaft Waxenberg in Weißenbach Samuel Preining (1687-1746) sowie Ziehtochter und Erbin seines Nachfolgers als Amtsverwalter Eberhard Paul Winckler (1711-1792).
Anfangs führte Eberhard P. Winckler die Amtsgeschäfte und den Salzhandel noch weiter. Der im Trauungsbuch 1780 als „Anwärter“ bezeichnete Johann P. Löfler kümmerte sich um die Landwirtschaft und die dazugehörige „Tafern“. Nach Wincklers Ableben übernahm er auch dessen Salzhandel und Amt. Er war bis zu seinem Tod (1818) der letzte bekannte Amtsverwalter der Herrschaft Waxenberg in Weißenbach.
Von den Kindern wurde Sohn Johann Eberhard Löfler (1781-1847) Leinwandhändler und Bürgermeister in Neufelden. Tochter Maria Theresia Löfler (1783-1862) heiratete 1802 Mathias Greipl und war die Mutter der Fanny Greipl – Stifters Jugendliebe; Tochter Anna Katharina Löfler (1785-1866) heiratete den Wiener Großkaufmann Schinko.
Nach dem Tod seiner 1. Frau - sie starb 1787 nach der Geburt ihres 4. Kindes an Kindbettfieber - heiratete Johann P. Löfler noch im selben Jahr.
Eleonora Greipl (1767-1829), Tochter des Gründers des Friedberger Leinen-Handelshauses Adalbert Greipl (1740-1800) und der Anna Clara (1742-1796), geb. Schmidinger. Von ihren elf Kindern starben sieben im Kindesalter.
Angeregt durch seinen Schwiegervater, wandte sich Löfler immer mehr dem Leinenhandel zu, den er mit Fleiß und Geschäftstüchtigkeit schwungvoll ausbaute, und so zu großem Reichtum kam.
Die Handelshäuser Löfler und Greipl – sie waren nicht nur verwandtschaftlich verbunden - verlegten die Leinwand. Sie holten aus fernen Gegenden Großaufträge herein, gaben an die Hausweber im nahen und ferneren Umkreis Garne und Muster aus und kauften den Webern die auf ihren Trittwebstühlen erzeugte Ware wieder ab. Das Löfler-Leinen – gekennzeichnet mit dem Qualitätszeichen „LL“ – wurde mit eigenen Fuhrwerken, die oft Wochen und Monate unterwegs waren, zu Märkten und in viele Städte geschickt. Nach Venedig und Triest lieferte Löfler Segeltuch, das über den Hafen von Triest bis nach Amerika gelangte. Künstler malten ihre Ölbilder auf das besonders feine und glatte Löfler-Leinen. Seine Geschäftsverbindungen reichten auch bis Konstantinopel. Seine Majestät Franz I. hat dem Bürger und Leinwandhändler zu Weißenbach im Mühlviertl, Paul Löfler, „als Merkmal der Allerhöchsten Zufriedenheit mit seinen stets bewiesenen patriotischen Gesinnungen und geleisteten nützlichen Dienste die Mittlere Goldene Civil-Ehren-Medaille mit Öhr und Band huldvollest zu verleihen geruhet.“
Die Auszeichnung wurde dem verdienstvollen Bürger am 10.02.1810 – dem Geburtstag des Kaisers - in Linz in Gegenwart aller Herren Stabs- und Oberoffiziere der Garnison in einer mit dieser allerhöchsten Auszeichnung angemessenen Feierlichkeit von dem Herrn General und Kommandanten, Baron von Merville, in dessen Logis übergeben (Linzer Zeitung vom 16.02.1810).
Johann P. sen. und Elenora Löfler ließen in den Jahren 1807 bis 1813 oberhalb des Preining-Gutes ein stattliches Wohnhaus, das Herrenhaus Nr. 40, erbauen, um das schöne Gartenanlagen mit Wasserspielen und künstlicher Beleuchtung angelegt wurden.
1816 bezog das Ehepaar Löfler mit den mj. Söhnen Franz Xaver und Josef Anton das neue Haus. Die beiden Löflerischen Häuser mit ihren weitläufigen französischen Gärten und Alleeanlagen gewährten einen freundlichen Anblick und waren für jeden Fremden in dieser Gegend gewiss überraschend.
Ebenfalls 1816 kauften sie die Herrschaft Langhalsen und Steinbach von Franz Edler v. Peßler aus Wien. Dazu gehörte auch die Ruine Freyzell bei Marsbach an der Donau. Anfang 1818 erkrankte Johann P. Löfler an Nervenfieber. Nach dreiwöchigem Krankenlager starb er am 28.01.1818 in seinem neuen Haus Hinterweißenbach 40 und wurde in der im Jahr davor an der Außenseite des Chores der Pfarrkirche in Vorderweißenbach von ihm neu errichteten Gruft beigesetzt. In seinem Testament vom 25.01.1818 verfügte er über ein beträchtliches Vermögen von 900.000 fl. W.W. Pribram gibt in seinem Werk "Materialien zur Geschichte der Preise und Löhne in Österreich" für 1818 einen Durchschnittskurs von 1 fl. C.M. = 2,55 fl. W.W. an. Der Kurs wurde 1820 bei 2,5 fixiert. Bei einem Wert des Gulden C.M. mit 2,5 fl. W.W. errechnet sich ein Vermögen von 360.000 fl. C.M., was einem Kaufkraftwert von ca. € 5,760.000,-- entspricht (lt. Auskunft der OeNB hätte 1 fl. C.M. von 1818 im Jänner 2011 in etwa eine Kaufkraft von 16 €).
Tochter Anna Clara Löfler (1788-1871) heiratete 1811 den Wiener Regimentsarzt Dr. Kaspar Postl (1773-1845). Ihr Sohn Dr. Carl Postl (1812-1887) war von 1876 bis 1887 Hofrath am k. k. Verwaltungsgerichtshof. Bei den ersten Verfahren vor dem 1876 gegründeten k. k. VwGH gehörte er dem Senat I als votierendes Mitglied an. Ihre Tochter Franziska de Paula (1827-1882) heiratete 1850 den späteren Gouverneur der Oesterreichisch-ungarischen Bank Alois Moser (1818-1892) aus Leopoldschlag.
Sohn Johann Paul jun. Löfler (1792-1868) übernahm 1816 das Preining-Gut und heiratete Theresia Feldmüller, Tochter des k. k. Schiffmeisters Matthias Feldmüller (1770-1850) aus Persenbeug. Kaiser Franz I. war Taufpate der Braut, die 30.000 Gulden in die Ehe mitbrachte. Paul war als Geschäftsmann tüchtig wie sein Vater, im Bestreben für Neuerungen übertraf er ihn sogar. Als Schwiegersohn des berühmten Armeelieferanten Feldmüller gehörte auch er zu den ärarischen Lieferanten und ist dadurch reich geworden.
An das Ehepaar J. Paul und Theresia Löfler erinnert heute noch die in einem Glashaus vor dem Textilen Zentrum in Haslach ausgestellte „Mang“ mit Göpelantrieb, die vom Haustischler Mathias Scheicher in siebenjähriger Arbeit gezimmert und ab 1823 im Preining-Gut als „Großes Bügeleisen“ Leinen glättete.
In den Jahren 1829-1832 hat er neben dem geerbten Preining-Gut ein musterhaft eingerichtetes Brauhaus errichtet, die „Hintere Tafern“ durch Aufstockung und einen Zubau zu einem schönen Gasthaus mit großen Räumen erweitert und 1833 nördlich der Straße einen Eiskeller neu gebaut.
Als sein jüngerer Bruder Josef Anton 1835 ohne Nachkommen starb, zahlte J. Paul Löfler die miterbenden Geschwister aus und wurde 1839 alleiniger Besitzer der Güter Langhalsen, Freyzell und Steinbach.
1840 übergab er seine Hinterweißenbacher Liegenschaften an seinen Sohn Mathias und wandte nun seine ganze Schaffenskraft dem neuen Besitz zu. Als seine kaiserliche Hoheit, Erzherzog Johann, im Jahre 1842 das Obere Mühlviertel besuchte, veranstalteten die Herren Löfler eine Ausstellung von Industrieerzeugnissen des Landes, was ihnen Ehrungen eintrug. In der Wochenzeitschrift „Heimatblatt“ berichtet 1931 Dr. Franz Pfeffer über die Reise des Erzherzogs: „setzte seine Reise bis in das nördlichste Mühlviertel fort. In Hinterweißenbach, wo die erste Nächtigungsstation war, traf er wieder auf ein blühendes Mühlviertler Großhandelshaus, auf die weitverzweigte Unternehmung des Herrn Paul Löfler, der hier in der Abgeschiedenheit des Tales der böhmischen Mühl mitten in den Waldrevieren der ausgedehnten Grenzforste ein Handelshaus begründet hatte, dessen Ruf und Ruhm gleichwohl bis nach Italien und Türkei reichte. Löfler besaß ausgedehnte Leinwandbleichen und einen großen Leinwandhandel und heute kündet der große Löflersche Besitz in Hinterweißenbach mit seinen überraschend prächtigen patriziermäßigen Bauten von dem Wohlstand seines Begründers. Der Erzherzog war auf seiner Fahrt Gast Löflers und erklärte „sich schnell für den heimatlichen Anklang mit der Steiermark, welchen er im ganzen Hauswesen bemerkte“. Am nächsten Tag besichtigte er die Vorderweißenbacher Dreschmaschine (die einzige im ganzen Mühlkreise).“
1859 kaufte J. Paul von seinem Bruder Franz Xaver den Herrensitz seines Vaters in Hinterweißenbach 40, womit alle Löflerbesitzungen in Hinterweißenbach und Langhalsen wieder innerhalb seiner Familie vereint waren. Für seine Verdienste um die Volkswirtschaft wurde er mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet.
Neben den geschäftlichen Erfolgen hatte J. Paul Löfler jun. aber auch schwere Schicksalsschläge zu ertragen. Von den fünf Kindern starben vier - Eleonore Theresia (1818-1830), Johann Paul (1823-1830), Heinrich Kajetan (1827-1830) und Franz Xaver (1831-1835) - im Kindesalter, davon drei an Scharlach innerhalb von zwei Wochen zwischen 19.10. und 03.11.1830. Über das Kindesalter hinaus blieb nur Sohn Mathias am Leben.
Als J. Paul Löfler jun. 1868 die Augen schloss, war auch die Blütezeit für das Gut Langhalsen vorbei. Seine Frau Theresia war ihm schon 1861 im Tode voraus gegangen. Er hat mehrere letztwillige Anordnungen hinterlassen. Auf Grund des Testamentes vom 06.05.1863 und der Einantwortung des k.k. Landesgerichtes Linz vom 27.12.1878 werden 1880 – zwölf Jahre nach dem Tod des Erblassers – nicht sein Sohn Mathias, sondern dessen acht lebende Kinder Mathias, Katharina, Johann Paul, Karl, Rudolf, Ludwig, Sophie und Maria zu je einem Achtel Eigentümer des Landgutes Langhalsen samt Freyzell und den Buchleithnerschen Gilten sowie der Liegenschaft Hinterweißenbach 40.
Mathias Löfler hatte sich schwer verschuldet. 1865 wurde sein Besitz versteigert. Den Zuschlag erhielt Josef Tröster aus Rosenberg, der die Liegenschaft 1868 an seinen Sohn Leopold anlässlich dessen Hochzeit mit Aloisia Greipl (Urenkelin des Johann P.Löfler sen.) übergab. 1875 kauften Georg und Katharina Königseder, geb. Löfler (Tochter des Mathias Löfler) Brauerei, Gasthaus und Wirtschaftsgebäude.
Georg Königseder sen. - er wurde 1894 und 1897 als Gemeinderat in den Gemeindeausschuss Oberweißenbach gewählt - stirbt 1899. Seine Ehefrau und Erbin Katharina stirbt 1900. Sohn Georg Königseder jun. wird Alleineigentümer; sein Bruder Leopold wird im Taufbuch seiner Kinder 1903 und 1904 als Pächter des Königseder-Gasthauses in Hinterweißenbach bezeichnet, d.h. Georg (1871-1914/18) war Gesamteigentümer, inklusive Brauerei und Wirtschaftsgebäude, und Leopold (1873-1914/18) sein Pächter des Gasthauses.
Über das Vermögen des Georg Königseder jun. wird der Konkurs eröffnet. Bei der exekutiven Feilbietung des stattlichen Wirtschaftsanwesens, inklusive Brau- und Gasthaus wird 1905 der Zuschlag an die Meistbieter (48.000 K) Hugo und Franziska Hauser, Hinterweißenbach 27, erteilt. Nachdem Mathias Löfler bereits 1865 auf exekutivem Wege die Liegenschaft Hinterweißenbach 32 (und 38) verloren hatte, war nun derselbe "Löfler-Besitz" neuerlich auf gleiche Weise - diesmal aber endgültig - in "fremde Hände" gekommen. Das Ehepaar Leopold und Theresia Königseder blieb als Pächter der Gaststätte am Haus. Leopold Königseder sen. (1873-1914/18), der wie sein Bruder Georg im 1. Weltkrieg gefallen ist, hatte mit seiner Frau Theresia (1875-1944), geb. Sailer, zwei Kinder: Maria (1903-1927) und Leopold Königseder jun.(1904-1942), der Hilfsarbeiter in der Brauerei wurde und unverheiratet blieb. Er kehrte aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück und gilt seit 1.11.1942 als in der Stadt Stalingrad vermisst. Er war 162 Jahre nach der ersten Hochzeit des Johann P. Löfler der letzte direkte Löfler-Nachkomme auf den ehemaligen Löfler-Häusern Hinterweißenbach 32, 38 und 40.
Wenn Sie weitere Details über die ehemaligen Löflerhäusler s'Löffla, s'Kinigseder oder s'Petscha wissen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Marktgemeindeamt auf!




























